Das Kohlhagener Land

 

 

mit den Ortsteilen Kohlhagen, Brachthausen, Wirme und Emlinghausen

 

 

 

Wer ins Kohlhagener Land möchte, sollte vom Süden her anreisen:
Wenn er nördlich der Stadt Hilchenbach auf der L 728 den Rothaarkamm bei etwa 500 m Höhenlage überquert und dabei die uralte Stammes- und spätere Hoheitsgrenze, die einst das Siegerland von Kurköln trennte, wobei die Menschen sich durch mächtige Hecken, hohe Wälle und tiefe Gräben voneinander abzuschotten versuchten, eine Grenze, die gleichzeitig die niederdeutsche Sprache im nördlichen Gebiet vom Dialekt der anderen Seite trennte, die ferner vom 16. Jahrhundert an eine so schmerzhafte Konfessionsspaltung markierte, überschritten hat.

Wenn er weiterhin dann noch einen Blick oder gar eine Wanderung in den sagenbehafteten "Dollenbruch" mit seinen naturgeschützten Hochmooren, den uralten Wacholderheiden, mit seinem Vorkommen zum Teil seltener arttypischer Pflanzen, mit jenem Ort in der Nachbarschaft des Teufelsbruches, wo im ausgehenden Mittelalter der erste Freistuhl auf Roter Erde seinen Platz hatte.



Wenn der Besucher sich daraufhin weiter nach Norden hält, dann entfaltet sich plötzlich vor seinem Auge der Zauber einer Landschaft mit Bergen, deren leichte Wölbungen offenbar den Himmel zu berühren scheinen, einer Landschaft, die man nicht gedankenlos durch flüchtiges Vorbeifahren streifen sollte! Die magischen Worte müßten "wanderndes Erschließen" lauten. Gelassenheit - nicht Geschwindigkeit - ist angesagt. Der Zeit-Nehmer wird reich entschädigt!

Eine einsame, hochgelegene Kirche beansprucht geradezu zwingend die Aufmerksamkeit. Sie stellt sich dem Besucher ins Blickfeld. Ihr Platz auf einem nach drei Seiten abfallenden Bergsporn - dem Kohlhagen - spricht ihr die berechtigte Dominanz zu.

Der jahrhundertealte Marienwallfahrtsort mit seinem spätmittelalterlichen Gnadenbild, einer ausdrucksvollen Pieta, gab früh dieser Gegend und der Altgemeinde seinen Namen. Wer die Hauptstraße verläßt und den Besuch der Kirche "Unser lieben Frauen auf dem Berge" in seine Zeitpläne einbezieht, wird auf vielerlei Weise merkwürdig belohnt.


Während das strebepfeilerbewehrte kräftige nachgotische Bauwerk, das gewissermaßen aus dem Boden gewachsen scheint, äußerlich durch seine Schlichtheit so gar nicht besonders beeindruckt, wird der Eintretende vor einem ungeahnten Anblick im Kircheninnern sprachlos verharren.

Die sauerländische Künstlerfamilie Sasse (aus Attendorn) hat durch die geistige Vorgabe des damaligen Pfarrers Paulus Leyemann (1693-1745) dem Kirchensaal den barocken Glanz und Ausdruck verliehen, der der Würde und den Ansprüchen einer Wallfahrtskirche, eben der Nachbildung des himmlischen Jerusalem, völlig entspricht.


Hier hatte einst auch der Arme Zutritt. Hier schaute er in einen vorweggenommenen Himmel, der ihm letztlich Gerechtigkeit und göttlichen Reichtum versprechen und garantieren wollte.

 

Der allsonntägliche Pfarrgottesdienst (10 Uhr) und die zahlreichen Wallfahrtsandachten in der Bergkirche verleihen erst recht dem Kirchenraum seine zukommende Weihe. Die sehr beliebten Konzerte auf der Kohlhagener Barockorgel fügen dem Gesamtkunstwerk ein neues hinzu. Mehr dazu finden Sie unter www.kohlhagen.eu oder telefonisch: kath. Pfarramt Kohlhagen, Tel. 02723/3273



Da sich Körper und Geist gleichermaßen erholen sollten, wird dem Besucher mit warmem Herzen die bekannte, gut bäuerlich geführte Küche des wenige hundert Meter weiter östlich idyllisch gelegenen Hotelgutes Neuhaus auf der Ahe empfohlen.

Bekanntlich haben Kultur, Geschichte und die menschliche Gegenwart vielerlei Gesichter und Ausdrucksmöglichkeiten.

Unsere drei Ortschaften - Brachthausen, Wirme und Emlinghausen - liegen wie Perlen am Mantelsaum der Gottesmutter vom Kohlhagen im Talgrund.

Alte Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert - besonders in Brachthausen - sind Zeugnisse bäuerlicher Bau- und Wohnkultur, ebenso des ländlichen Lebens. Letzteres war durch die Kargheit des Bodens bei einem unwirtlichen Gebirgsklima nicht gerade mit Wohlstand gesegnet.

Auch die nahe Lage zum vorgeschichtlichen Fernweg, dem Kriegerweg (er streift im Osten bei einem fast geradlinigen Gesamtverlauf von Süden, dem Neuwieder Becken, zum Norden, dem Hellweg, in kurzer Entfernung den Ort Brachthausen) änderte das nicht wesentlich. Das Brachthauser Kapellenpatrozinium des heiligen Nikolaus nimmt Bezug auf den alten Handelsweg.

Einige mittelständische Unternehmen, eine Bäckerei mit Lebensmittelhandel, sowie forst- und landwirtschaftlich orientierte Betriebe ordnen sich harmonisch ins Ortsbild ein.

Talabwärts liegt an der Straße, in einer langgezogenen Krümmung, der kleine Ort Wirme. Die besonderen Reize dieses Dorfes sind Beweise des dörflichen Fleißes und Gemeinschaftsgedankens: u.a. die vielen Preisverleihungen bei den Gemeinde-, Kreis- und Landeswettbewerben zur Kür der schönsten Orte.

In das ca. 200-Seelen-Dorf passen der traditionelle Tischlereibetrieb Johannes Neuhaus, das Milch-Transportunternehmen Günter Jung und das über die nationalen Grenzen angesehene Ingenieurbüro (für wissenschaftliche Untersuchungen von Baustoffen und die Bauwerterhaltung) Bernward Jungermann.



Als letzter Ort der Altgemeinde Kohlhagen liegt im Schatten der Wallfahrtskirche das kleine, aber sehr schöne Dörfchen Emlinghausen. Sein Alter ist durch die Zehntlöseverpflichtung zum Kölner Mariagradenstift schon seit dem Jahre 1279 belegt.

Eine mittlerweile zerstörte mittelalterliche Motte (kleine Burganlage mit umlaufendem Wassergraben) in Ortsnähe kennzeichnen die Bedeutung der einstigen stattlichen Berghöfe. Die sprichwörtliche sauerländische Gastfreundlichkeit pflegt und praktiziert die bekannte und renommierte Bauernhofpension Hermes.

Bernhard Pauly, Ortsheimatpfleger

 

 

Quellen:
1490 - 1990. 500 Jahre Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung Kohlhagen. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Kirchenvorstand der Pfarrei Mariae Heimsuchung Kohlhagen. Kohlhagen 1990.
Wirme 1398 - 1998. Festschrift zum 600jährigen Jubiläum. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Wirme "Unser Dorf soll schöner werden" e.V. Wirme 1998.

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